Vor geraumer Zeit hat der Design-Report einen Artikel über den Plagiarius-Award, den Preis für die “besten” Produktkopien, abgedruckt. Der gesamte Artikel ist lesenswert, hervorgehoben sei hier allerdings nur der Abschnitt über den geschichtlichen Hintergrund des Kopierens in China. Darin heißt es:

“Der Prozess des Kopierens lag der Wertschätzung zu Grunde, die in der traditionellen chinesischen Kunst den Autoritäten der Vergangenheit entgegengebracht wurde“, schreibt Cary Y. Liu, Kuratorin für asiatische Kunst am Princeton University Art Museum. Chinesische Kalligrafen üben noch heute bis zu 20 Jahre lang nichts anderes, als die Schriftzeichen herausragender Kalligrafen der Vergangenheit zu kopieren. Liu stellt aber auch klar, dass das noch lange keine kulturelle Sanktionierung des Plagiats bedeutet: „Das Ziel dieser Methode war die Entwicklung eines eigenen Stils. Außer im Falle absichtlicher Fälschungen wurden exakte Repliken nie als Selbstzweck betrachtet.“

(in der Bemühung um eine akzeptable Quellenangabe:
Anneke Bokern: Schwerpunkt – Lernen und imitieren. In: Designreport 2007, Ausgabe 04, S.18-19)

Auch wenn man sich dieses Bild vor Augen hält – im “echten Leben” ist es so oft Selbstzweck. Nicht jede geistige Errungenschaft ist Open Source und deshalb kann der wirtschaftliche Schaden für viele kleinere und größere Unternehmen aus einer solchen Situation heraus existenzbedrohend sein. Gestalter leben von ihren Ideen. Sollte man dann sagen: “Wir fühlen uns geehrt und in unserer Arbeit bestätigt”? Das kann jeder für sich selbst entscheiden.

Lars Harmsen (Slanted/Magma) und Marco Zichner (veloheld/neongrau) haben inzwischen über die näheren Umstände des Artikels auf Slanted gesprochen, was zum besseren Verständnis der jeweiligen Haltung beigetragen hat. Die Bedeutung und Leistung von Slanted aufgrund dieses Artikels herabzuwürdigen, sehen wir selbst als Fehler an. Carsten sagte noch zu dem Thema: “ich wollte ohnehin schon immer mal in den Slanted-Blog”.